Kirsten-ErlenbruchLiz Freitag ist ein Pseudonym.
Warum ich nicht unter meinem richtigen Namen veröffentliche?
Ich stehe hinter dem, was ich schreibe, aber ich habe auch bereits unter meinem richtigen Namen ein Sachbuch (zum Thema Internetmarketing – derzeit nicht erhältlich) geschrieben und werde eventuell noch weitere Sachbücher schreiben. Diese beiden Genres, also die Krimis und die Sachbücher, möchte ich gerne getrennt voneinander halten. Und das geht am einfachsten, wenn sie unter unterschiedlichen Namen erscheinen.

Ich wurde 1962 in Wuppertal geboren. Die Wuppertaler mögen es mir verzeihen, aber abgesehen von der Schwebebahn (und der Geschichte von dem kleinen Elefanten, der aus Werbezwecken mal in ebendieser spazieren fahren musste), hat die Stadt meines Erachtens nicht so sehr viel zu bieten. Ok, ok, es ist auch die Geburtsstadt unseres ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und von Alice Schwarzer. Mit beiden habe ich nichts gemeinsam. Wobei, für Bundespräsident würde ich mich alterstechnisch inzwischen qualifizieren.

Noch bevor ich eingeschult wurde, zog ich mit meinen Großeltern ins Werdenfelser Land, um genau zu sein, nach Mittenwald. Ende der sechziger Jahre war das noch ein etwas verschlafenes Dorf, das im Winter von den Wintersportlern lebte und im Sommer von Rentnern, die in ihren beigen Anoraks durch den Ort spazierten und jeden Mittwochabend den zu diesem Zweck eigens inszenierten Heimatabend besuchten (inkl. Hackbrett, Jodeln und bayerischem Schwank). Ich hatte eine schöne Kindheit, ohne Smartphone und Internet, im Fernsehen liefen genau fünf Programme, nämlich ARD, ZDF, Bayern sowie Österreich 1 und 2, und das Fernsehprogramm endete spätestens um Mitternacht. Das Ganze in schwarz-weiß, versteht sich. Und zum Umschalten musste man aufstehen und ziemlich fest auf einen Knopf drücken. Erschütternd, ich weiß, aber ich habe es überlebt, war draußen im Wald, an der Isar, zwischen den Holzstapeln der benachbarten Schreinerei und im Winter beim Rodeln.
Meine Großmutter arbeitete in der evangelischen Gemeindebücherei, eine für heutige Begriffe lächerlich kleine Bücherei, aber für mich war sie voller Wunder. Sobald ich lesen konnte, las ich mich quer durch alle Genres, ohne Rücksicht auf Verluste.

Später zog ich nach München, wo ich das Gymnasium besuchte und meine ersten Schreibversuche in der Redaktion unserer Schülerzeitung machte. Lesen und Schreiben, das war es, was mich am meisten interessierte. Die Naturwissenschaften brachen mir irgendwann das Genick. Mir ist heute noch nicht klar, wozu ich Parabeln berechnen können sollte. Nach meiner Schulzeit begann ich zu arbeiten und weil ich ausgesprochen neugierig bin und mich auf nichts so richtig festlegen konnte, habe ich eine Menge unterschiedlicher Dinge gemacht: Von Kurierdienst über Verlag, Immobilien, IT, Nachtbar, Business Center, … In den meisten Jobs habe ich erstaunliche und zum Teil auch sehr witzige Dinge erlebt – zumindest sind meine Freunde dieser Meinung, wenn ich sie wieder mal nächtelang mit Anekdoten aus meinem bewegten Leben unterhalte. Das eine oder andere wird sich wahrscheinlich zukünftig in meinen Romanen wiederfinden.

Geschrieben habe ich fast immer, zum Großteil natürlich beruflich: Werbebriefe, Werbebroschüren, Newsletter, später dann Schulungsunterlagen und diverse Blogs und irgendwann auch ein Fachbuch. Und es gab auch das eine oder andere Romanfragment, das, wie bei so vielen, schließlich in Schublade oder Papierkorb gelandet ist. Bis … ja, bis zu dem Tag, als ich mich entschied ein weiteres Sachbuch zu schreiben und mit diesem Buch einfach nicht weiterkommen wollte. Ich versuchte es aus verschiedenen Perspektiven, fing vorne an, fing hinten an, versuchte mich in der Mitte. Es wollte und wollte nicht werden. Und eines Morgens war mir auch klar, warum. In meinem Kopf spukte ein Krimi herum und der wollte raus, unbedingt, koste es was es wolle. Und diesem Krimi stand das Sachbuch schlicht im Weg. Also packte ich mein Manuskriptfragment in die Schublade und begann eine weitere, neue “Karriere” (ob es eine Karriere wird, wird sich noch herausstellen) als Krimiautorin.

Et voilà, hier sind wir nun. Sie und ich, liebe Leserin, lieber Leser. Warum ich gerade Krimis schreiben möchte? Für Liebesromane fehlt mir schlicht die romantische Ader und für Vampirgeschwurbel bin ich zu alt (nicht abwertend gemeint – ist nur nichts für mich). Mich interessieren die Abgründe hinter den Fassaden, der schmale Grat, der uns alle, die wir in der Regel weitgehend gesetzestreu durchs Leben gehen, vom Bösen trennt. Ich vertrete die Theorie, dass letztlich jeder Mensch, egal wie friedfertig er/sie auch sein mag, in der Lage ist, einen Mord zu begehen. Auf die Umstände kommt es an. Und manchmal kommen Menschen eben in besondere Situationen oder sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, dass sie Dinge tun, die sie selbst niemals für möglich gehalten hätten. Im positivsten wie im negativsten Sinne. Genau diese Grenzgänge interessieren mich und um Menschen, die diese Grenze überschreiten, wird es in meinen Büchern gehen.

Der erste Satz in Leo Tolstoi’s 1877/78 veröffentlichten Roman “Anna Karenina” lautet: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“
Vielleicht ein gutes Motto für meine zukünftigen Krimis. Wir werden sehen und Sie werden es vielleicht/hoffentlich bald lesen.