Was ich lese: „Die Schwester“ von Joy Fielding

Posted by on Nov 3, 2016 in Was ich lese | No Comments
Was ich lese: „Die Schwester“ von Joy Fielding

In diesem Fall, muss es wohl heißen „was ich höre“, denn ich habe das Buch als Hörbuch genossen, gelesen von Petra Schmidt-Schaller, die eine sehr angenehme Stimme hat, auch wenn ich beim Zuhören über die eine oder andere Aussprache amerikanischer Namen oder Begriffe gestolpert bin.

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„Die Schwester“ von Joy Fielding

Um was geht es?
Die Protagonistin, Caroline Shippley ist Mutter von zwei kleinen Mädchen. Mit ihrem Ehemann, einem erfolgreichen Rechtsanwalt lebt sie in San Diego. Ihren 10ten Hochzeitstag begehen sie in einem luxuriösen Ressort in Mexiko, wozu Caroline’s Mann auch einige Freunde und Verwandte eingeladen hat. An ihrem Hochzeitstag sagt der gebuchte Babysitter ab und das Ehepaar lässt die beiden Kinder allein im Hotelzimmer, während sie auf der Terrasse des Hotelrestaurants mit ihren Freunden zu Abend essen. Als sie in ihr Zimmer zurückkehren, ist die zweijährige Samantha verschwunden – entführt. Das Kind bleibt, trotz aller Bemühungen verschwunden. Bis sie eines Tages, 10 Jahre später, den Anruf einer jungen Frau erhält, die behauptet, ihre Tochter zu sein. Caroline, deren Leben nach dem Verschwinden ihres Kindes ohnehin bereits völlig aus den Fugen geraten ist, wird mit einer schockierenden Wahrheit konfrontiert.

Ein spannendes Buch, das gut erzählt ist, wenngleich es einem die Personen nicht gerade leicht machen. Bis auf Caroline’s langjährige Freundin, ist für mein Empfinden nicht ein sympathischer Charakter dabei. Selbst die Protagonistin Caroline Shippley möchte man manchmal gerne schütteln. Der im Buch am häufigsten vorkommende Satz lautet, „das ist meine Schuld“. Die Schuldgefühle, mit denen Caroline zu kämpfen hat, werden damit dem Leser nachgerade schmerzhaft ins Bewusstsein getrieben. Da bringt man manchmal fast Verständnis für ihre Freunde und Verwandten auf, die nicht gerade besonders rücksichtsvoll mit ihr umgehen. Das Schlimmste, was Eltern passieren kann, ist sicherlich der Verlust eines Kindes. Wobei wir, wenn wir von Verlust sprechen, in der Regel davon ausgehen, dass ein Kind gestorben ist. Das ist schrecklich, aber eine Tatsache mit der sich die Angehörigen im Laufe der Zeit mehr oder weniger gut arrangieren können. Ist das Schicksal eines Kindes völlig ungewiss, ist die Belastung mit der die Eltern leben müssen, fast noch größer. Immer hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung und das oftmals über viele Jahre oder Jahrzehnte, manchmal bis zum eigenen Tod. Genau diese Situation beschreibt Joy Fielding ganz hervorragend und das ist wahrscheinlich auch das Beklemmende an diesem Buch. Die Vorwürfe, die Caroline sich selber macht und die gefühlten oder sehr realen moralischen Vorhaltungen der anderen (wie kann eine Mutter ihre kleinen Mädchen alleine in einem Hotelzimmer lassen?). Die Geschichte ist ganz offensichtlich an den Fall der vierjährigen Madeleine McCann angelehnt, die 2007 im Alter von vier Jahren aus dem Zimmer eines Hotels an der portugiesischen Algarve gekidnappt wurde und bis heute verschwunden ist. Joy Fielding nimmt diesen Faden auf, spinnt ihn weiter und gewährt darüber hinaus einen Blick hinter die, für die Betroffenen schrecklichen, Kulissen. Trotz der sperrigen Charaktere hat mich das Buch bis zum Schluss gefesselt. Ich hatte diverse Theorien, was geschehen sein könnte und war am Ende doch sehr überrascht. Insofern absolut gelungen, eine leichte und doch spannende Lektüre, die man nur schwer aus der Hand legen kann. Ich habe das Hörbuch auf meinen Fahrten von und zur Arbeit gehört und bin so manches Mal im Auto sitzen geblieben, um noch ein Kapitel zu Ende hören zu können. Und mehr kann man von einem spannenden Buch ja kaum erwarten, oder?

Spannende Lektüre und viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre
Liz Freitag

 

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